
Positionspapier des DSLV zu Plastik im Schneesport
Plastikabfälle belasten alpine Ökosysteme zunehmend – durch touristische Nutzung, logistische Abläufe und ein hohes saisonales Besucheraufkommen. Das Basler Übereinkommen, das am 5. Mai 1992 in Kraft trat, bildet den weltweit verbindlichen Rahmen für den Umgang mit Kunststoffabfällen; seine seit 2021 in Kraft befindlichen Änderungen betreffend Kunststoffabfälle („Plastic Waste Amendments“) verschärfen die internationale Kontrolle und stärken die globale Abfallvermeidung.
Der DSLV – als Interessenvertretung von mehr als 15.000 professionellen Schneesportlehrerinnen und -lehrern sowie rund 180 anerkannten gewerblichen Schneesportschulen – versteht plastikarmen Schneesport als zentralen Bestandteil seiner Nachhaltigkeitsstrategie. Das Wissensmodul der Natursport Akademie (NAka) „Vermeidung von Plastikmüll“ ist fest in der Lernplattform Nachhaltig Natursport vermitteln verankert. Über INTERSKI (International Association For Snow Sports Instruction), den Internationalen Skilehrerverband (ISIA) und die Kooperation mit dem Sekretariat der Basler, Rotterdamer und Stockholmer (BRS) Übereinkommen unterstützt der Verband das Projekt der United Nations (UN) „Plastic Waste in Remote and Mountainous Areas“ und bringt die Perspektive des professionellen Schneesports aktiv ein.
Der nationale Rechtsrahmen schafft klare Leitplanken: Neben Verboten und Kennzeichnungspflichten für Einwegkunststoffe schreibt das Verpackungsgesetz seit 2022 eine Recyclingquote von 63 % vor und übernimmt die EU-Vorgabe, bis 2030 mindestens 55 % des Kunststoffverpackungsabfalls zu recyceln. Mit einer im Jahr 2023 erreichten Quote von 52,2 % ist eine Steigerung um rund 2,8 Prozentpunkte notwendig – ein deutlicher Handlungsauftrag für alle Akteure.
Der DSLV versteht sich als aktiver Mitgestalter nachhaltiger Entwicklungen im Schneesport – auf deutscher, europäischer und globaler Ebene. Er unterstützt die nationalen Vorgaben ebenso wie die europäischen Zielsetzungen und trägt durch seine internationale Vernetzung dazu bei, globale Umweltziele im Schneesport zu verankern und praxisnahe Lösungen voranzubringen.
Das Positionspapier formuliert die Grundhaltung, Selbstverpflichtungen und Erwartungen des DSLV. Es bildet die Grundlage für plastikarme Standards im Kursbetrieb, für die Sensibilisierung von Gästen sowie für die Weiterentwicklung der Verbandsarbeit. Durch seine Größe, seine Fachkompetenz und seine internationalen Kooperationen fungiert der DSLV als gewichtiger Akteur, der globale Umweltziele in konkrete Maßnahmen für den Schneesport in Deutschland übersetzt.
1. Präambel und Kontext
Der Deutsche Skilehrerverband e.V. (DSLV) ist die berufliche Interessenvertretung mehr als 15.000 professionellen Schneesportlehrerinnen und -lehrern in Deutschland sowie von 180 gewerblichen Schneesportschulen. In seiner Nachhaltigkeitsstrategie formuliert er klar den Anspruch, ökologisch verantwortungsbewusst zu handeln, Ressourcen zu schonen, natürliche Lebensräume zu schützen und soziale sowie ökonomische Nachhaltigkeit zu fördern.
Durch die Zusammenarbeit mit der NAka und dem Aufbau der Lernplattform „Nachhaltigen Natursport vermitteln“ vermittelt der DSLV systematisch Wissen zu nachhaltigem Handeln im Schneesport. Ein eigenes Modul widmet sich der „Vermeidung von Plastikmüll“ und beinhaltet ökologische Grundlagen, Beispiele aus der Praxis sowie konkrete Lehrmethoden.
Im Rahmen des UN-Projekts „Plastic Waste in Remote and Mountainous Areas“ trägt der DSLV Erfahrungen aus dem Schneesport in internationale Diskussionen ein und unterstützt die Entwicklung globaler Strategien für Bergregionen.
2. Umweltrelevanz von Plastik im Schneesport
Plastik fällt entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Schneesports an – von Verpackungen und Einwegprodukten über Infrastrukturkomponenten bis hin zu Mikroplastik aus Abrieb. In hochsensiblen alpinen Ökosystemen entstehen besondere Herausforderungen: kalte Temperaturen, schwierige Transportwege, begrenzte Entsorgungsinfrastruktur und ein hoher saisonaler Spitzenverbrauch.
Nicht oder nur unzureichend entsorgte Kunststoffe verbleiben oft langfristig in der Natur. Mikroplastik kann mit Schnee und Schmelzwasser in Gewässer und Böden gelangen und dort Schaden anrichten. Diese Belastungen stehen im Widerspruch zu den Prinzipien eines naturverträglichen Schneesports.
3. Internationaler Rahmen
Das Basler Übereinkommen und die Plastic Waste Amendments
Das Basler Übereinkommen ist das international rechtsverbindliche Instrument zur Regulierung der Verbringung und Bewirtschaftung gefährlicher und anderer problematischer Abfälle. Mit den 2019 beschlossenen und seit 2021 wirksamen Plastic Waste Amendments unterliegen viele Kunststoffabfälle dem PIC-Verfahren (Prior Informed Consent). Dies führt zu strengerer Kontrolle, stärkerer Abfallvermeidung und verbesserter umweltgerechter Bewirtschaftung weltweit.
Der DSLV unterstützt diese Ziele und versteht seine Maßnahmen als konkreten Beitrag zur Umsetzung der Konvention im alpinen Raum.
UN-Projekt „Plastic Waste in Remote and Mountainous Areas“
Das vom BRS-Sekretariat initiierte Projekt adressiert die besonderen Anforderungen bergiger Regionen. Internationale Schneesportverbände wie INTERSKI, ISIA und IAESS entwickeln gemeinsam mit dem Sekretariat Bildungsmaterialien, Pilotprojekte und Sensibilisierungskampagnen.
Der DSLV bringt seine Expertise aus dem deutschen Schneesport ein und nutzt die gewonnenen Erkenntnisse für die Weiterentwicklung eigener Standards.
4. Nationaler Rechtsrahmen in Deutschland
Deutschland setzt die EU-Einwegkunststoffrichtlinie umfassend um. Die Einwegkunststoffverbotsverordnung (EWKVerbotsV) untersagt seit dem 3. Juli 2021 das Inverkehrbringen bestimmter Einwegkunststoffprodukte wie Besteck, Teller, Trinkhalme und
To-go-Verpackungen aus expandiertem Polystyrol. Ergänzend verpflichtet die Einwegkunststoff-kennzeichnungsverordnung zur deutlichen Kennzeichnung kunststoffhaltiger Produkte.
Das Verpackungsgesetz (VerpackG) stärkt die erweiterte Herstellerverantwortung. Seit 2022 gilt in Deutschland für Kunststoffabfälle eine verbindliche Recyclingquote von 63 %. Gleichzeitig übernimmt das VerpackG die europäischen Zielvorgaben: Bis Ende 2030 müssen mindestens 55 % des Kunststoffverpackungsabfalls recycelt werden. Ausgehend von der im Jahr 2023 erreichten Recyclingquote von 52,2 % müsste die Quote für Kunststoffverpackungen also noch um rund 2,8 Prozentpunkte steigen, damit Deutschland die Vorgaben für 2030 erfüllt.
Seit Inkrafttreten des Einwegkunststofffondsgesetzes (EWKFondsG) müssen Hersteller bestimmter Einwegkunststoffprodukte zudem eine Abgabe entrichten, aus der Kommunen für Reinigung und Entsorgung von Abfällen im öffentlichen Raum finanziert werden.
Diese Vorgaben unterstreichen die Notwendigkeit von Abfallvermeidung, Mehrwegsystemen und Bewusstseinsbildung – Maßnahmen, die der DSLV im Schneesport aktiv mitträgt. Gerade die erforderliche Steigerung der Recyclingquote um 2,8 Prozentpunkte ist ein klarer Handlungsauftrag. Der DSLV richtet seine Positionierung und Maßnahmen daher konsequent darauf aus, die Erreichung des europäischen 55 %-Ziels bis 2030 wirksam zu unterstützen.
5. Rolle des DSLV und Kooperationen
Der DSLV stützt seine Nachhaltigkeitsarbeit auf Kooperationen mit der NAka, INTERSKI, ISIA und dem BRS-Sekretariat. Diese Netzwerke ermöglichen den Austausch aktueller Forschung, internationaler Standards und erprobter Methoden aus Bergregionen weltweit. Der Verband übersetzt globale Erkenntnisse in praxisnahe Anleitungen für Schneesportschulen und Lehrkräfte und trägt zugleich Erfahrungen aus Deutschland in internationale Programme ein.
6. Position und Selbstverpflichtungen
Der DSLV bekennt sich zur Priorität der Plastikvermeidung und zur Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen im Schneesport. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der Verband auf verlässliche Strukturen, klare Standards und kontinuierliches Lernen.
Ein wesentlicher Schritt ist die Einführung der Stelle der/des Umweltbeauftragten beim DSLV. Diese Funktion koordiniert die Nachhaltigkeitsarbeit des Verbandes, moderiert interne Abstimmungsprozesse, arbeitet eng mit internationalen Partnern zusammen und begleitet die Umsetzung der Maßnahmen zur Plastikreduktion.
Darüber hinaus führt der DSLV regelmäßig Mitgliederbefragungen und Rückmeldeschleifen mit Schneesportschulen, Lehrteams und Partnern durch. Die gewonnenen Erkenntnisse werden systematisch ausgewertet und dienen als Grundlage für:
- interne Handlungsanweisungen,
- praxisorientierte Leitfäden für Schneesportschulen,
- Pilotprojekte zur Plastikvermeidung im Kursbetrieb,
- die Weiterentwicklung der Ausbildungsinhalte.
Auf dieser Basis verpflichtet sich der DSLV:
- das NAka-Modul „Vermeidung von Plastikmüll“ verbindlich in allen Ausbildungsstufen einzusetzen,
- plastikarme Mindeststandards für anerkannte Profi-Schneesportschulen zu definieren,
- Veranstaltungen und Lehrgänge des Verbandes weitgehend einwegkunststofffrei zu organisieren,
- die Digitalisierung interner Prozesse zur Ressourcenschonung auszubauen,
- Gäste und Teilnehmende aktiv über plastikarmes Verhalten zu informieren,
- Kinder- und Jugendprogramme um Komponenten der plastikarmen Nutzung alpiner Räume zu erweitern.
7. Forderungen des DSLV
Um den Herausforderungen durch Kunststoffabfälle im alpinen Raum wirksam zu begegnen, formuliert der DSLV klare und praxisorientierte Forderungen. Sie richten sich an zentrale Akteure des Schneesports sowie an Politik, Verwaltung, Wirtschaft und internationale Partner. Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln, Verantwortung zu teilen und nachhaltige Veränderungen im gesamten Schneesportökosystem anzustoßen.
An Politik und Verwaltung:
- Förderung plastikarmer Tourismus- und Entsorgungskonzepte in Bergregionen, insbesondere durch Infrastrukturprogramme und kommunale Unterstützung.
An das BRS-Sekretariat und internationale Partner:
- Fortführung und Stärkung des UN-Projekts zu Kunststoffabfällen in Bergregionen.
- Einbindung der Expertise von Schneesportverbänden in die Entwicklung globaler Leitlinien und Bildungsmaterialien.
An Tourismusunternehmen, Bergbahnen und Industrie:
- Entwicklung langlebiger, reparaturfreundlicher und ressourcenschonender Produkte.
- Etablierung robuster und effizienter Mehrwegsysteme im touristischen Betrieb.
An anerkannte Profi-Schneesportschulen im DSLV:
- Verbindliche Integration der Ziele dieses Positionspapiers in den gesamten Skischulbetrieb,
- Entwicklung und Umsetzung plastikreduzierter Arbeits-, Organisations- und Unterrichtsprozesse,
- Einführung und Einhaltung interner Handlungsanweisungen zur konsequenten Plastikvermeidung,
- Regelmäßige Rückmeldungen an den DSLV, um Erfahrungen, Lösungen und Best Practices zu bündeln und weiterzugeben.
An alle Schneesportlehrerinnen und -lehrer im DSLV:
- Bewusstsein für die ökologischen Auswirkungen von Plastik zu entwickeln und zu stärken,
- die Handlungsanweisungen zur Abfallvermeidung aktiv in den Unterricht zu integrieren,
- Gäste und Gruppen – insbesondere Kinder und Jugendliche – für plastikarmes Verhalten zu sensibilisieren,
- die Leitlinien des Verbandes im täglichen Unterricht sichtbar und konsequent vorzuleben.
8. Umsetzung und Monitoring
Der DSLV plant kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen, um die Ziele schrittweise umzusetzen. Dazu gehören die Weiterentwicklung der Ausbildung, die Einführung standardisierter Prozesse in Schneesportschulen, der Aufbau eines einfachen Monitoringsystems sowie der internationale Austausch mit Partnerorganisationen. Die Arbeit der Umweltbeauftragten stellt sicher, dass neue Erkenntnisse regelmäßig in die Maßnahmen einfließen und der Verband seine Rolle als Vorreiter für plastikarmen Schneesport wahrnimmt.